Posts mit dem Label selbst designt werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label selbst designt werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 17. Mai 2013

Get it on! Selber designen: Die Literaturliste

Wer sich daran macht, ein selbst entworfenes Strickstück herzustellen, tut gut daran zu wissen, wo man im Notfall nachschlagen kann, wenn sich Fragen stellen. Die Liste der geeigneten Bücher ist lang, vermutlich unendlich lang. Ich beschränke mich daher auf meine Lieblingswerke. Als da wären:
Margaret Radcliffes Knitting Answer Book. Gibts auch auf deutsch, ich kenn aber nur die englische Version. Und die ist Klasse. Denn verständlich und gut bebildert gibt das Büchlein Auskunft auf tatsächlich fast jede Frage, die einen beim Stricken - selbst- oder fremddesignt - beschleichen kann. Das Buch ist klein und trotz der Dicke relativ leicht, weswegen es man gut in der Stricktasche mitnehmen kann. Sieht aus wie ne Taschenbibel und ist, für uns Strickerinnen und Stricker, auch eine Art Taschenbibel. Amen.

Elizabeth Zimmermanns Knitting Without Tears. Hiervon stammen einige Tricks aus Radcliffes Buch. Das Buch ist sehr persönlich, sehr liebevoll, sehr entspannt geschrieben und macht viel Mut. Denn laut Zimmermann ist ein Fehler vielleicht auch einfach nur ein neues Muster, und der gesunde Menschenverstand ersetzt hier schwierige Tabellen und Formeln. (Auch sehr lehrreich, wenn auch nicht unbedingt ein Grundlagenbuch im klassischen Sinne ist ihr Knitter's Almanac, in dem ebenfalls viele Grundtechniken für Kleidungsstücke erklärt werden.) Von der Strickerin aller Strickerinnen gibt es leider, so viel ich weiss, keine Bücher auf deutsch. Sie wird in vielen deutschen Werken aber zitiert.

Beliebte Muster von Ajour bis Zopf sind in Stricken - Grundlagen, Muster, Modelle wunderbar erklärt. Ebenso zeigt das Buch, wie z.B. ein Pullover, Socken oder eine Mütze schon mal grundsätzlich gestrickt werden. Die Anleitungen, die im Buch mitgeliefert werden, treffen meinen Geschmack jetzt nicht so. Ich erwähne dieses Buch stellvertretend für andere Titel wie Stricken - Das Standardwerk, Die grosse Strickschule, oder Stricken - Alle Techniken Schritt für Schritt, die ich aber persönlich nur vom Durchblättern kenne.

Nicht wahnsinnig attraktiv, da schon 30jährig, kommt das Burda Stricklehrbuch daher. Dennoch empfehle ich es sehr. Darin findet man alle Informationen zu jeder Stricktechnik, die man jemals kennenlernen wird (ok, das ist jetzt nur ein educated guess), dazu kommen eine Menge Muster und Ideen. Nicht vom ältlichen Layout abschrecken lassen - und ja, die Farben sind grässlich.

Wie man konkret Pullis entwirft, findet man mit Custom Knits raus. Das Buch bietet eine gute Kombination: Einerseits sind gut erklärte fertige Modelle drin, dann Vorschläge, wie man selbige abändern könnte (mach Cardigan aus Pulli, mach lang aus kurz), schliesslich aber auch Grundlagen, wie man selber designen kann. Gibts leider nur englisch.

Dann ist da noch die Frage nach Verzierungen oder Muster und dergleichen. Viele Muster sind in den oben erwähnten Grundlagenbüchern erklärt. Gute Erfahrungen habe ich auch mit Carla Scotts Zopfmuster und Nicky Epsteins Bündchen und Bordüren gemacht. Beide Bücher sind auch auf deutsch erschienen. Inputs für farbigere Modelle findet man etwa in 200 Fair Isle Muster (deutsch, kenn ich nur vom Durchblättern) oder bei diesen meinen Lieblingsbüchern: Alice Starmore's Book of Fair Isle Knitting und Kaffe Fassett's Pattern Library. Die von mir aus gesehen schönsten Ajourmuster gibts hier: The Haapsalu Shawl. Eines meiner absoluten Favoriten. Ist zwar englisch, Muster sind aber in Strickschrift angegeben.

Im Internet wird man (auf englisch) bei Knitting Daily oder Daily Knitter sehr fündig. Da kann man sich gut Rat holen. Auch Ravelry ist eine feine Sache.

Wer es lieber deutsch und deutlich mag, kann sich hier amüsieren: Strickenlernen, im Garnstudio, Handarbeiten lernen oder auch auf Handmade Kultur. Letztere Seite sei hier sowieso ganz herzlich empfohlen.

Disclaimer: Diese Liste ist natürlich nicht vollständig. Ich hafte nicht dafür, wenn was schiefgeht und du ein Buch meiner Liste benutzt hast. Und selbstverständlich muss man die Bücher nicht bei Amazon bestellen. Ist so verlinkt, damit man sich die Sache mal genauer anschauen kann.

Freitag, 12. April 2013

Get it on! Design es selber: die Überlegungen

Na los, das kannst du! Du brauchst das richtige Material für deine gute Idee
und ein paar Hilfsmittel (Bücher, Blogs, Massband, sowas halt).

Eigentlich funktioniert das Entwerfen eines beliebigen Strick-Kleidungsstück immer gleich. Ich nehme hier als Beispiel einen Pullover, aus dem einen Grund, dass ein Schal jetzt ein etwas gar simples Exempel wäre und Hosen kaum jemand strickt.

Überlegen sollte man im Vornherein Folgendes (später poste ich zu jedem Punkt noch Details):

1. Was genau will ich stricken? Pulli, Jacke, Socken, Unterhose? Für den Sommer? Für den
   Winter?
    Für drunter oder drüber?
    Das alles wird bei Form und Materialwahl eine Rolle spielen.
    Und Form und Materialwahl hängen dann auch wieder zusammen, doch dazu später.
    Erst mal:

2. Wie sollte das Ding ausschauen?
    Habe ich einen Pulli, dessen Schnitt mir besonders gefällt?
    Kann ich eine Skizze davon anfertigen, wie das Kleidungsstück aussehen soll?
    Soll es bestimmte Dinge haben: eine Tasche, eine Verzierung (Zopf, Muster, Intarsie...)

3. Kurze Zwischenfrage: Welche Strick-Techniken sind dazu nötig oder geeignet? Stricke
    ich z.B. den Pulli von oben oder von unten? (In diesem Beispiel: von unten)
    Ist es realistisch, dass ich sowas stricken kann? Unter der Prämisse, dass man
    grundsätzlich eigentlich alles stricken kann: Kann ICH das stricken? Beherrsche ich
    die notwendigen Techniken?

   Falls nein:
   1) Design nochmals überdenken.
   Es gibt immer eine einfachere Variante. Eine, in der keine Brustabnahmen mit Kurzreihen
   zeitgleich zum Ärmelausschnitt und Abnahmen für den Hals sowie fünf Intarsien und
   zwei Zöpfe gleichzeitig vorkommen. Das lässt sich immer bei einem nächsten Mal
   integrieren ;)
   2) Literatur konsultieren! Ich liefere demnächst eine Liste von Büchern, Zeitschriften und
   Websites, die mir schon geholfen haben.

   Falls ja:

4. Welches Material eignet sich?
  
   Wolle ist geradezu ideal, sie ist formstabil und verzeiht so manche Unregelmässigkeit.
   Für den Sommerpulli habe ich mich aber natürlich für etwas Leichtes entschieden.
   Baumwolle hat aber die Eigenschaft, relativ schnell aus der Form zu kommen. Ideal ist es
   da, ein Mischgarn zu kaufen. Zur Not kann man auch mal nur ein Knäuel kaufen und mal
   sehen, wie es sich strickt damit, wie das Maschenbild ist, vielleicht willst du schon mal eine
   Probe waschen... In  jedem anständigen Garngeschäft hilft das Personal in solchen Fragen
   gerne weiter.
   (Und bloss nicht irritieren lassen von den Blicken, die man erntet, wenn du sagst:
   "Also, ähm, ich hab da so nen Pulli gezeichnet...")

   Auf der Etikette der Knäuel steht auch immer eine Nadelempfehlung. Natürlich kann man
   die etwas anpassen. Aber wer gerne mit dicken Nadeln strickt, sollte besser nicht
   superfeines Garn kaufen, das dann mit ultradünnen Nädeli verarbeitet werden muss.
   Und umgekehrt.

5. Wieviel?
   Hat man sich erst mal für ein Garn entschieden, muss man natürlich wissen, wieviel man
   benötigt.Dabei helfen sowohl die Beraterinnen in den Boutiquen als auch die
   Angaben auf den Etiketten der Knäuel - da steht meist, wie viel man für einen
   Pullover mittlerer Grösse etwa braucht.
   In dem  Moment  unbedingt einige Überlegungen anstellen: Wie gross bin ich im Verhältnis
   zu "mittlerer Grösse"?
   Und was sieht mein Design vor: ein sehr eng anliegendes Modell oder eines mit
   sehr viel Spiel?
   Faustregel: Immer ein Knäuel mehr als man berechnet hat.
   Und: Unbedingt im Geschäft fragen, wie gut die Chancen stehen, dass man von der Farbe
   und der Partie noch nachbestellen kann! (Was man tun kann, wenn man dann doch zu
   wenig von einer Partie hat, dazu später mehr.)

6. Die Maschenprobe
   Auf der Etikette steht ja schon ungefähr, wie viele Maschen und Reihen ein Quadrat
   von 10x10 cm ergeben. Schön! Aber man muss trotzdem eine eigene Maschenprobe
   anfertigen. Wir sind ja, wie schon in Life of Brian erläutert, alles Individuen und stricken
   daher auch individuell. (Bitte einstimmig wiederholen: "Wir sind alles Individuen!")
   Ich schlage dazu jeweils zwei, drei Maschen mehr an als auf dem Etikett angegeben. 
   Dann ein Quadrat stricken, abketten. Die ganz Professionellen und Geduldigen waschen
   es dann  auch noch und spannen es auf. Spätestenes dann wird gemessen.
   Ich mache immer zwei Messungen:Wie  viele Maschen / Reihen ergeben 10 cm? Und wie
   breit ist eine Masche, wie hoch eine Reihe (oder zwei, was sich halt leichter messen lässt.)
   Masse notieren, vielleicht grad bei der Zeichnung des Pullis.

7. Jetzt miss dich! Beziehungsweise: Miss die Masse des Pullis. Wie weit? Wie lang?
    Welche Ärmel, wie weit wie lang diese?

8. Tommelwirbel: Jetzt kommt der Moment, auf den deine halbe Primarschulzeit
    abgezielt hat:
    Du wendest den Dreisatz praktisch an! Oh Wonne!
    Du hast die Anzahl Maschen pro 10 cm, du weisst, wie breit der Saum sein soll (wir gehen
    ja jetzt in dem Beispiel davon aus, dass wir den Pulli von unten her stricken) - also weisst
    du jetzt auch, wie viele Maschen du anschlagen sollst. Nein? Ich komm ja in einem
    späteren Post darauf zurück und versuche es zu erklären. (LOL, Sarah erklärt Mathe.)

9. a) Du solltest bei Beginn des ersten Teils (ich beginne mit dem Vorderteil) auch schon
    eine Vorstellung  davon haben, wie weit es bis zum nächsten grösseren Eingriff geht.
    In unserem Beispiel wäre das das Formen der Schulter, wo später der Ärmel reinkommt.
    (Wenn du einen taillierten Pulli machst, musst du wissen, wo die Abnahmen für die Taille
    hingehören und wo die Zunahmen für den Busen. Mein Pulli ist aber gerade).

    Am besten zeichnest du solche Warnungen und Angaben gleich in deinem Design
    ein! Sonst gehts schnell mal schief.

    (Ich möchte habe vom unteren Ende des Ärmelausschnitts bis zum Saum 28 cm
    vorgesehen. Also kann ich mal bis dahin stricken, bis ich mir wieder was überlegen
    muss.)
   
    b) Berechne diese Ab- und Zunahmen wie unter Punkt 8. Das heisst in meinem Fall: Ich
    messe für den Ärmelausschnitt von der Mitte meiner Seite bis dorthin, wie weit das
    Ärmelloch sein soll (wird noch bebildert, keine Sorge). Sagen wir mal, das wären 5 cm,
    und ich weiss, dass ich in 10 cm 20 Maschen habe, dann erkenne ich: Ich muss
    auf jeder seite 10 Maschen abketten. Damit das ganze organisch verläuft, mache ich das
    nicht auf einen Schlag. Am Anfang müssen am meisten Maschen weg. Ich würde jetzt
    beim ersten Mal 6 Maschen abketten, in der übernächsten drei und dann noch
    eine (oder zweimal zwei, jede zweite Reihe. Ich erklärs noch, ich versprechs! ;) ).


Freitag, 18. Januar 2013

Mein Meisterstück


Boah, bin ich stolz! Stolz!!! Vor ziemlich genau einem Jahr klappte ich ein brandneues Notizbuch auf und entwarf scheu mit Bleistift eine Jacke, die ich schon länger vor meinem geistigen Auge gesehen hatte. ("Entwarf": Ich kritzelte ein bisschen und malte Fragezeichen dazu.) Sie sollte aus meiner Aranwolle, die ich vor wenigen Jahren in Irland gekauft habe (Kerry Woollen Mills) gefertigt sein, mit einem keltischen Taillenband, und ich nannte sich manchmal auch Projekt Kells, weil, naja, irisch und cool und so. Dann fing ich an zu stricken. Das Muster für das Taillenband hatte ich aus Carla Scotts "Zopfmuster". 

Jedem, der mich fragte, was ich da mache, gab ich kühn zur Antwort: "Eine Jacke." So auch am 9. Juni dieses Jahres, als ich mit Mojitos in Zürich den Knit in Public Day feierte: 

 
Wenig überraschend musste ich ein paar Reihen aufribbeln und nochmal stricken, konnte ja nicht gut gehen *hicks*.
Wie auch immer, ich liess mich nicht beirren von all den Zweiflern. Eine allerliebste Freundin sagte gleich zu Anfang des Projekts: "Wenn du die Jacke vor dir sehen kannst, dann kannst du sie auch stricken." Word!

Das Notizbuch nahm ich dann im Hochsommer nochmals raus und schrieb irgendwelche Angaben zu den Ärmeln und zu den Zunahmen im Brustbereich. Leider führte ich danach kein Buch mehr über die genauen Maschenzahlen, aber das ist auch nicht so wichtig, ich musste eh ziemlich experimentieren. Die Vorgehensweise war simpel: Das Taillenband lang genug stricken, Maschen auffassen, so viele Zunahmen machen, dass auf Brusthöhe die Jacke passt (kann man ja mit ner Rundstricknadel mehr oder weniger anprobieren). Passen heisst in dem Fall, ungefähr passen, denn am Schluss würde ja noch die Knopfleiste dazukommen. Dann schlug ich die Ärmel an und strickte sie ebenfalls bis Brusthöhe, wo ich sie dann einsetzte:


Das war im September. Hier kann, wer will den damaligen Blogeintrag nachlesen.


Dann notierte ich nicht mehr viel. Ich zweifelte langsam doch ein wenig an meinem Vorhaben, strickte aber dennoch weiter. Nahm also Maschen auch unten am Band auf und strickte abwärts, ebenfalls mit Zunahmen. Strickte eine Kapuze. Strickte ein Knopfband. Häkelte Ärmelabschlüsse (weil ich mich einfach auf kein Zopfmuster mehr einlassen oder mit mir selber einigen konnte, und weil ich grad wieder gerne häkle). Nähte meine Holzknöpfe von Saaremaa in Estland an (siehe Einträge August 2011). 

Es blieb die finale Anprobe vor dem Vernähen der losen Enden. Ich schlug die Kapuze hoch und war so schockiert, dass ich hysterisch lachte, um nicht zu weinen. Ich sah aus wie eine Matrioshka. Eine besonders ulkige, dazu. Die Kapuze spannte eigenartig von den Schultern zu meinem Scheitel, es sah richtig, richtig dämlich aus. Einige Beratungen mit meinem Prinzen und mit eben jener allerliebsten Freundin  förderten dann die Einsicht: Die Kapuze war zu wenig hoch! (Da ich mit dem Zeltlook bei meinen Lieben unglaubliche Heiterkeit auslöste, bedauere ich es nun, kein Foto gemacht zu haben. Sorry.)  Ich löste also das Knopfband, das ich glücklicherweise in zwei Hälften angestrickt hatte, um den Scheitel herum nochmals vorsichtig auf (hier hatte ich, klarer Fall, die Enden schon vernäht, grosses Kino). Ich öffnete die Kapuze nochmal, die ich im Drei-Nadel-Abketten geschlossen hatte (siehe, z.B., hier). Da die Aran-Wolle reine Schurwolle ist, bleiben die Maschen wie kleine Pfadfinder brav in der Reihe stehen, man kann also ziemlich viele Fehler wiedergutmachen. Ich strickte etwa 8 oder 10 cm an, schloss die Kapuze erneut, probierte sie diesmal vorher an, man ist ja nicht komplett lernresitstent. Dann flickte ich das Knopflochband noch zusammen, da fehlte ja nun ein gutes Stück. Aber jetzt siehts cool aus.

Oh Mann, so stolz. Gucken Sie bitte hier:
 

Die Ärmelabschlüsse. Ich häkle im Moment recht gerne, da komm ich gut in den Groove (wenns nix Kompliziertes ist).  Ausserdem lässt sich damit die Länge recht einfach anpassen. Man möge bitte auch die coolen Holzknöpfe beachten. Apfelbaum und noch was.




 Die Kapuze macht sich auch als Kragen recht gut.
Mit dem Band fing alles an. Wie sagte sie? "Wenn du die Jacke sehen kannst, kannst du sie auch stricken." Amen to that, sister.
Mit den unteren Knöpfen bin ich noch nicht ganz glücklich. Da schlägt die Knopfleiste an einer Stelle eine Welle, obwohl sie von der Weite perfekt passt. Muss noch rumpröbeln, trage das Teil aber nicht immer offen deswegen. Wär ja noch schöner!
 Seitenansicht mit Kapuze unten.
Ich kann es nicht oft genug sagen: Tadaaaaaaa!