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Dienstag, 2. April 2013

Fertig!


Wie geplant ist zu Ostern mein Haapsalu-Style-Schal fertig geworden. Hab ihn natürlich gleich stolz ausgeführt, yeah! Karfreitag kamen die Spitzen ran:

 Dann nahm der Schal erst mal ein Bad. Dabei ging es mir nicht nur ums Blocken, sondern auch darum, auf wie viele Zug- und andere Böden das Knäuel beim Stricken gefallen war... Wäää.Dann hab ich ihn aufgespannt. Ist bei einem solchen Muster besonders wichtig, damit es sich schön entfalten kann.
 Und dann, am Samstagnachmittag: Tadaaaa! Macht sich auf vielfältige Weise gut, find ich. Der nächste entsteht aber ohne Flauschgarn. Sondern mit richtigem Hardcore-Lace-Original-Wolle.Yep.





Dienstag, 5. März 2013

Fortschritt

Mein Haapsalu-Style-Schal nimmt Gestalt an. Ich freue mich schon so :) So einen kann man auch prima im Sommer noch gebrauchen, ich hab ihn extra breit gemacht, damit er eben auch so für über die Schultern funktionert. Bislang habe ich 15,5 Stunden daran gearbeitet. Bin also locker im Zeitplan von maximal 25 Stunden, die ich dafür voranschlagt habe.

Unterdessen habe ich mich in Sachen Spitzenborte entschieden. Erstens nämlich, dass ich eine machen werde, zweitens welche (mit Nupps) und drittens, dass ich sie nur an den Schal-Enden anbringen werde. Klassische Haapsalu-Schals wären noch etwas breiter und hätten eine Borte um alles herum. Ich denke, beim nächsten werde ich das vielleicht auch mal machen. Ist ja schon eine gewaltige Steigerung zu meinem Hagakiri-Werk. Aber die Borte ist eben nicht ganz einfach, braucht zusätzliches Material und zusätzliche Geduld. Man muss ziemlich gut rechnen, um die Borte so hinzubekommen, dass sie um eine kurze und eine lange Seite passt. Und ich mag nicht nochmal neues Material besorgen, denn zweimal Länge und Breite (die Borte wird immer in zwei Teilen gestrickt) schenkt nochmal ein. Und die Geduld hab ich jetzt auch nicht mehr. Aber ein schöner Abschluss muss schon sein.



Damit ich sicher genügend Garn für die Borten habe, fange ich jetzt schon damit an, quasi als Intermezzo. Ich stricke sie vom anderen Garnende her mit meinen neuen Pony-Nadeln. Geht also auch mit Plastik, auch wenn es etwas Gewöhnungssache ist.

Viel wichtiger ist aber, und ich kann es. nicht. genug. betonen: Hochmut kommt auch im Stricken vor dem Fall. Darum ziehe ich diesmal konsequent alle zwei Rapporte die Rettungsleine durch. You live, you learn.

Dienstag, 26. Februar 2013

Die Kluge strickt im Zuge

Unterdessen habe ich an meinem Paljulehekiri-Schal 14,5 Stunden gestrickt, und er ist etwa 1,2 Meter lang. ich denke, ich werde ihn etwa 1,6 lang stricken und dann noch eine Bordüre anbringen (allerdings nur an den Enden, nicht an den Seiten).
Das Paljulehekiri-Muster ist nicht sehr schwierig, es braucht aber doch etwas Konzentration. Zum Fernsehen ist es für mich icht so geeignet, da sind die Lichtverhältnisse auch zu schlecht. Am liebsten arbeite ich daher am Schal, wenn ich unterwegs bin. Da ich öfter Zug fahre, liegen immer ein paar Reihen drin, sei es eine halbe Stunde nach Zürich (3/4 des Rapports pro Weg), ein Ausflug nach Bern (3 Rapporte insgesamt), ins Tessin (Rapporte ohne Ende) oder die Fahrt nach St. Gallen (2 Rapporte hin und zurück). Pro Rapport gewinne ich etwa 5 cm.
Es lohnt sich also, die Strickarbeit im Zug mitzuführen! Das ist mir ja nicht erst seit eben klar. Vor vier Jahren und zwei Tagen habe ich der Zürichsee-Zeitung folgende Kolumne in der Rubrik Notabene veröffentlicht:


 

Die Kluge strickt im Zuge


Sarah Gaffuri

Ich fahre viel, viel Zug. Und ich bekomme von meinen Mitreisenden viel, viel mit, weil ich stricke. Das hat nämlich zwei angenehme Nebeneffekte: Man hat, sofern man will, die Ohren frei für die ahnungslosen Mitmenschen. Und man fällt nicht auf: Seit ich auch in der Öffentlichkeit stricke, merke ich, wie ich nach wenigen Sekunden schon eins werde mit dem biederen Muster der Sitzbezüge. Erst gucken sie noch, die Mitreisenden; dann beginnen sie untereinander ihr wahres Ich herauszukehren. Und mein wahres Ich sitzt mittendrin.



Kürzlich auf der Strecke Rapperswil - St. Gallen, Ort: zweite Klasse, Nähe Kaffeeautomat. Protagonisten: zwei Lehrlinge, ein dickliches Mädchen mit Piercings, ein möglicherweise um ein Jahr älterer Junge, Typ zu schnell gewachsener Stürchel. Lautstärke: laut. Thema: Diverses, unter anderem Anlehre («Da wür mi im Fall u huere aaschiisse, waisch, muesch voll chrampfe und hesch nocher gliich nüt»), Natel und Musik. Er: «Du, aber ich höre im Fall manchmal nicht nur Hip-Hop, sondern auch Hansi Hinterseer und so.» Sie, offenbar willig, ihm in jedwedem Punkt zuzustimmen: «Ja, ich weiss, eine Bürokollegin von mir hört den auch.» Er, realisierend, dass sie die Ironie nicht bemerkt hat: «Nein, spinnsch, so was hör ich sicher nicht.» Sie, den Fehler erkennend und sofort abschwörend: «Ja, ich kenn den noch nicht mal. Ich habe den Namen Hinterseer noch nie gehört.» Er, jetzt völlig gemein: «Was, du kennst Hansi Hinterseer nicht? Das ist die volle Bildungslücke.» Ganzer Wagen: schallendes Gelächter.



Strecke St. Gallen - Zürich, Ort: zweite Klasse, dort, wos grosse Tische hat. Protagonisten: drei Jungs, irgendwo zwischen 12 und 16 Jahre alt. Thema: ein neuer Pulli und der Schnupf. Der grösste oder älteste tröstet einen der kleinen, der einen viel zu grossen Pulli gekauft hat: «Wachsisch sicher no drii.» Dann zücken sie die Schnupfdose und ziehen sich das Zeugs wie Koks durch die Nase. Der Schnupf wird auf das Tischli gestreut, mit einer Schülerkarte zu Spuren gelegt und dann mit einem Röhrchen abgesaugt. Ich überlege mir, ob ich sie darauf aufmerksam machen soll, dass viele, viele Leute schon ihre Bisifinger auf dem Tischchen zwischengelagert haben.



Strecke Bern-Thun, Ort: zweite Klasse, Ruhewagen. Protagonisten: eine übermotivierte Mitdreissigerin, zwei Damen 75 Plus. Thema: Ob man in einem Ruhewagen ruhig sein muss. Die Damen, eben erst zugestiegen, tendieren zur Ruhe, höchstens Flüsterton. Die Mitdreissigerin meint begeistert, man könne ganz normal plaudern, solange man nicht sehr laut schwatze. Kurz darauf marschiert ein Mann strammen Schrittes ans Wagenende und staucht eine (andere) laut parlierende Dame zusammen. Die drei neben mir unterhalten sich darauf laut und spöttisch über gestresste Manager, die sich so daneben aufführen im Ruheabteil. Und dann reden sie über mich. «Jaja, Stricken ist wieder in», sagt die Mitdreissigerin unter anderem. Hallo Leute, ich stricke nicht mit den Ohren. Pssscht.

"ZSZ" vom 24. 02. 2009



Montag, 21. Januar 2013

Willow weep for me - Paljulehekiri

Nach ca. 6 Stunden Arbeit im Muster Paljulehekiri, Weidenblätter.

a
Hagakiri. Die Wolle war (obwohl als Lace bezeichnet)
etwas zu dick. Man riet mir in Haapsalu zu
ganz dünnem Wollgarn, wie sie es verwenden.
Ich habe bislang einen Schal in einem traditionellen Haapsalu-Muster gestrickt. Hagakiri (Haga = Zweige, Kiri = Muster). Ich hatte ewig dran, obwohl er recht schmal ist, aber ich bin noch heute stolz drauf. (Erster Eintrag hier.)

Nun fand ich, es sei mal wieder an der Zeit. Ich entschied mich für das Muster Paljulehekiri, ein Muster von Weidenblätter (Lehe = Blatt). Das Muster hat einen sehr wesentlichen Vorteil: Es geht immer gerade nach oben. Hagakiri und die meisten estnischen Spitzen-Muster verschieben sich in jeder Reihe. Dadurch muss man nicht nur das Muster, das sich in jeder Reihe wechselt, wissen, sondern auch noch, was vor und nach dem Rapport gestrickt werden muss. Die Anzahl Maschen dieses Rahmenmusters variert dann auch noch von Reihe zu Reihe. Dieses Problem fällt hier weg.  

Diesmal wollte ich erstens eine Kid-Mohair-Silk-Wolle von Debbie Bliss in einem eigenartigen Pink-Ton aufbrauchen, die ich schon lange horte, und zweitens einen richtig breiten Schal angehen. Diesmal benütze ich als Vorlage ein Muster aus dem Buch Haapsalu Shawl von Siiri Reimann. Es gefällt mir wesentlich besser als das andere Buch, das ich beim letzten Mal beizog (Knitted Lace of Estonia von Nancy Bush). Es ist zwar mit über 40 Euro in der Anschaffung recht teuer (ausser man kauft es wie ich direkt in Haapsalu, hähä), aber es ist wirklich sehr schön gelayoutet, clever aufgebaut und vor allem von den Strickerinnen selbst verfasst. Aber, und das halte ich Bush gerne zu Gute, dank Knitted Lace of Estonia bin ich überhaupt auf die Idee gekommen, mal nach Estland zu reisen.

Anyroad, ich mache den Schal also breiter (obwohl ich ihn wahrscheinlich nicht mit Spitzenborte zu einem echten Haapsalu-Style-Werk mache), und ich beherzige zwei Ratschläge, die man mir in Estland gegeben hat: Man verwende unbedingt den gestrickten Anschlag ("knitted cast-on"). Diese Art Maschen anzuschlagen hat den Vorteil, dass die Kante danach elastischer ist. Das ist beispielsweise dann wichtig,wenn man noch einen Spitzenabschluss annähen will, oder auch beim Spannen des Werks, das ist ja bei Ajour-Mustern die halbe Miete. Eine Videoanleitung gibts etwa hier. Ausserdem hat mir die Meisterstrickerin Angela geraten, die Randmaschen nicht als Knötchen, sondern sehr offen und damit ebenfalls elastischer zu arbeiten. Dazu hebt man die erste Masche wie zum Linksstricken ab, legt dann den Faden hinter die Arbeit und strickt die Masche in der Rückreihe rechts. Ein letzter Tipp betraf das Material: Es sollte so dünn sein wie möglich. Ich verwendete Lace Merino von Lana Grossa, aber noch das ist für die Haapsalu-Strickerinnen zu dick, wenn man nur eine Nadel 3,5 oder 4 verwendet. Mit Debbie Bliss' Garn habe ich einen sehr dünnen Faden gewählt. Allerdings sind die Mohair-Härchen sehr untypisch für ein Haapsalu-Muster. Aber es soll ja auch kein Trachtenstück geben.


Um ein danach mal eine Vorstellung zu haben, wie lange ich an einem solchen Schal arbeite, schreibe ich diesmal die Stunden ungefähr auf. Ich war ungefähr sechs Stunden dran, mal schneller, mal langsamer, und habe etwa 30 cm gemacht. Für den ganzen Schal rechne ich (ohne Edging) mit etwa 25 Stunden, man wird ja immer schneller, je besser man das Muster kennt.





Stunde eins: Immer schön mutig!