Mittwoch, 30. Juni 2010

Grand Veston

Die Socken sind fertig, die Serie geht noch zwei Wochen weiter: Ich stricke im Grand Teton Nationalpark an meiner Weste weiter...

Montag, 28. Juni 2010

Yellowknit

Wenn man so wartet, bis einer der weltberuehmten Yellowstone-Geysire ausbricht, hat man prima Zeit, Socken fertig zu stellen. Ich habe mir zwar fast den Arsch den Hintern die Finger abgefroren, aber es hat sich doch gelohnt. Zum Glueck habe ich noch mehr von der Noro-Sockenwolle auf Lager!!

Sonntag, 6. Juni 2010

San Knitcisco, Golden Gate Knit

Endlich, endlich: die Stadt meiner Traeume, San Francisco. Natuerlich gibt es hier auch einige tolle Woll- und Strickgeschaefte. Ich habe mir fuenf herausgeschrieben, hatte Zeit, drei abzuklappern und fand zwei geoeffnet vor. Eines davon, Atelier, war relativ klein und bestach mich vorallem durch die Zubehoere von Clover, vor Ort hergestellte Nadeln, Haeckchen etc. und einige schoene Buecher. Das zweite war insgesamt mehr meine Kragenweite: ImagineKnit im bunten Viertel Castro zieht eine vielschichtig gemischte Schar Strickerinnen und Stricker (!) an. Zwei grosse Raeume sind von unten bis oben mit Garn vollgestopft, ueberall gibt es schoenes Zubehoer wie Taschen, Beutelchen, Cloverzeugs und so, und dann ist da noch die grosse Buecherwand, die zum Stoebern einlaedt. Ich habe im ersten Laden ein Buch mit dem Titel "The Enchanted Sole" von Janel Laidman gekauft. Hier findet die geneigte Sockenstrickerin Designs, die klangvolle Namen wie Galadriel oder Snow Queen tragen. Das Thema ist irgendwo zwischen Lord of the Rings, Wikingern und Mittelalter angesiedelt. Wenn ich das erste Paar angeschlagen habe, lasse ich euch wissen, wie praktisch der schoene Kauf auch ist und liefere eine kleine Rezension nach.  Im zweiten Geschaeft habe ich "An Artist's View on Lace" erstanden. Hier werden grundsaetzliche Schritte und nuetzliche Tipps fuers Selberdesignen von Lacemustern gegeben, und es sind auch einige praktische Grundmuster, fein nach Maschenzahl geordnet, abgedruckt. So etwas habe ich bis jetzt noch nicht gefunden. Ich kann die Anwendung kaum erwarten! Selbstverstaendlich folgt auch hier eine kleine Detailbeleuchtung.
arnmaessig wanderten zwei weitere Knaeuel Noro-Sockengarn in mein Koerbchen. Jetzt mit dem Sockenbuch, ist ja klar. Und fuer alle Daheimgebliebenen: ein Strickbild von meiner Lieblingslocation!

Samstag, 5. Juni 2010

Half Dome, half Sock

Die Knit of Fame-Serie geht weiter. Half Sock ist zwar fuer diese paar Reihen uebertrieben, aber seit unserem Besuch im Yosemite-Nationalpark ist etwas Zeit vergangen, und jetzt bin ich tatsaechlich etwa in der Haelfte. Den beruehmten Berg Halfdome erklettern Freeclimbers besonders gern auf seiner schroffen Seite. Also, wens reizt.... auf die Socken und ab in den Yosemite!

Freitag, 4. Juni 2010

Knit of Fame

Ja, wenn mans nach Hollywood schafft... Natuerlich habe ich auch hier immer das Strickzeug im Anschlag. Diese Muetze ist unterdessen fertig und wurde im Sequoia National Park eingeweiht. Im Verlauf der naechsten Wochen werde ich immer mal wieder strickend an beruehmten Sites auftauchen. Heute der Walk of Fame, morgen???

Mittwoch, 19. Mai 2010

Knit'n'Buy-Orgie in Santa Monica

Ja, der America Dream gilt auch fues Stricken. Waehrend ich in Suedamerika diesbezueglich ja ziemlich ueberrascht wurde (viele Strickerinnen, aber auch viel Acryl, siehe Blogs weiter unten) bin ich heute schon in Santa Monica auf meine Rechnung gekommen. Allerdings darf ich so nicht weitermachen, sonst wird die Reise dann ploetzlich elend kurz... Ich habe mir einen Strick-Shop-Fix gegoennt, ueber dessen genaue Zahlen ich mich sogar gegenueber dem Herzkaefer hartnaeckig ausschweige. Gut, euch Damen wuerde ich es vielleicht verraten, ich rechne mit mehr Verstaendnis :) Aber gut. Es war so, dass ich am Pier von Santa Monica auf der Touristeninfo aufs Geratewohl nach einem Strickshop gefragt habe. Man hat mich 14 Blocks nordwaerts geschickt, aber da koenne ich nicht hinlaufen, also sie selber koenne nicht 14 Blocks weit laufen. (Ok, hier laeuft man auch nicht, dafuer gibts viel zu coole Schlitten. Aber die Meile war ziemlich locker zu bewaeltigen.) Dann kam ich an, im Paradies von Sta. Monica: im Wildfiber. Auf etwa der doppelten bis vierfachen Flaeche der Strickgeschaefte, die ich aus der Schweiz kenne, werden hier Magazine angeboten (Interweave vor allem, aber auch australische, die ich in Australien nie fand), Buecher, Hilfmittel (wie hoelzerne Zopfnadeln, grad fuer Vielfliegerinnen praktisch), Stricktaschen von Amy Butler (ich konnte mich nur mit Muehe zurueckhalten) und Garn, Garn, Garn. Gekauft habe ich (Achtung): diverse Kleinigkeiten von Clover, Rosenholznadeln (noch nie probiert), Noro-Sockengarn, zwei Baellchen hand gefaerbtes Seiden-Mohair-Lacegarn von Kasrui, genug Pure Silk von Debbie Bliss (ja! Debbie Bliss!!) fuer ein neues Frenchy Camisole von Katie Himmelberg, das ich ja schon mal gemacht habe (siehe Sidebar); ehm, dann noch zwei Straenge feinste Merinowolle von Koigu, ein Projekttaeschen und zwei Magazine. *Raeusper* Und demnaechst fuege ich a) ein Foto hinzu von meinen neuen Schaetzen und schreibe b) ueber meine selbstdesignte Weste aus Schafwolle aus Otavalo/Ecuador, die immer brav fortschreitet.

Sonntag, 16. Mai 2010

Weben Inkastyle, Details







Ich übe und übe, aber zurzeit beschäftige ich mich vor allem damit, das aufzutrennen, was ich verbockt habe... Ich habe grosse Mühe, die improvisierte Webschrift zu lesen bzw. richtig zu interpretieren. Aber da ich jetzt weiss, wie die Fehler rückgängig gemacht werden können (sofern sie nicht viele Reihen zurückliegen, aber soweit komme ich gar nie, haha), beginne ich das System mehr und mehr zu verstehen. Ein Trost ist, dass ich einen Unigurt, den man dann beispielsweise nach meinen peruanischen Vorbildern besticken könnte, oder etwas mit einfachen Längsstreifen weben könnte. Nur das Set-Up des Rahmens bzw. der Einrichtung ist nicht ganz einfach, und ich kanns nicht ausprobieren, solange ich an diesem Projekt weitermache. Aber ich habe mich online schon mal nach Büchern umgeschaut, und in einer Kombination von Erinnerung und Anleitung wird es dann schon gehen.

Zum Prinzip: Ich bin keine Weberin, aber ich versuche einfach mal zu beschreiben, was man macht. Eine gewünschte Länge Kettfäden wird abgemessen. Für ihre Gurte haben die Frauen etwa 1,5 Meter dabei, würde ich schätzen. Dann werden diese Fäden insgesamt verknüpft, und das verknotete Ende wird an einem festen Gegenstand eingehängt oder angebunden - an einem Zaunpfahl etwa, oder an einem sehr schweren Möbel, irgendwo, wo es Spannung verträgt. Das andere Ende wird in eine Schnur eingeschlauft, und die Schnur wird um den Bauch gebunden. Dann setzt man sich so hin, dass die Fäden gespannt sind. Die obere Hälfte der Fäden wird mit einer Schlaufe zusätzlich separiert, das ist nachher beim Weben wichtig. Dann werden die Kettfäden verkreuzt und dann, je nach Muster, einzeln (Rand- und Grundfarben) bzw. zu zwei (Kontrastfarben) aufgefädelt. Dazu knotet man eine Schlaufe aus starkem Garn (die Frauen verwenden faserfreie Kunstfaser) um den Zeigefinger und fügt dann pro Faden oder Fadenpaar eine weitere Schlaufe dazu (ok, das liest sich jetzt ziemlich abgedreht). Schliesslich fängt man mit dem gleichen Faden alle Schlaufen auf und bindet sie an den kleinen Stecken. Das ist quasi der obere Teil des (nichtvorhandenen) Rahmens, wenn man so will.Nun wird mit dem Schuss ein Anfangsstück gewoben, aber noch nicht im Muster, mehr so im Schachbrett, ich nehme an, dass muss sein, damit die Fäden fest verwoben werden. Tja, und dann fängt man ganz einfach mit dem Muster an, haha. Beim Weben wird (logisch) der Schuss im Muster durchgeführt, danach drückt das vorbereitete Brettchen die Reihe fest, und das Zweite Brettchen wird überkreuz eingeführt. Dazu kommen zwei Handgriffe zur Verwendung, einmal werden die Kettfäden mit viel Zug nach oben und unten geteilt, das andere Mal drückt man die geteilten Kettfäden nach unten und zieht den Stecken nach oben. So entstehen Lücken, in die das zweite Brettchen geklemmt werden. Das untere Brettchen wird entfernt, die Fäden bleiben auf der Hand,  und der Schuss kommt wieder zum Einsatz. Ich versuche, Detailbilder nachzuliefern.
Wir sehen in den Bildern bisher, von oben nach unten: die separierten Kettfäden,die Überkreuzung, in die das zweite Brett gesteckt wird, und das Brett (rechts), das soeben eineReihe fixiert hat.Und demnächst auf diesem Kanal: Stricken in den USA!! (Das dürfte vieeeeel Blogfutter geben.)

Samstag, 15. Mai 2010

Vom Traum zum Albtraum, haha

Ein kurzes Intermezzo, dass nur in der nichtstofflichen Welt mit Stricken zu tun hat - ich war in Galapagos!! Das war der echte, absolute Traum. Die Tiere kennen kaum Scheu vor den Menschen, die Seeloewen spielen mit einem beim Schnorcheln, ihre Welpen rennen dir am Strand zum Spielen nach... Auch die Voegel machen keinen Wank, wenn man mit der Kamera auf sie zurobbt! (Wer mehr sehen und wissen moechte, kann mich ueber mein Profil kontaktieren, dann gebe ich dir Zugriff auf mein Facebook-Fotoalbum!)

Entsprechend wenig kam ich zum Stricken. Das lag aber an noch was anderem. Ich mag den halbfertigen Baktus einfach nicht, und ich hatte nur den dabei. Ich werde ihn wieder aufloesen und aus der Wolle etwas Anderes machen. Aber das hat Zeit. Denn ich habe ueber einen Seelenwaermer nachgedacht, den mehr oder weniger entworfen und bin nun fleissig am Swatchen. Doch letzte Nacht, die erste in Quito wieder, hatte ich den vollen Strickalbtraum. Ich war in einem Laden und sie hatten nur Acryl! Das einzige Knaeuel Seide kostete 50 Franken und war voll klein. LOL!! Dann war da noch ein kleiner schmollender Junge, der fuer die Schule eine Arbeit uebers Stricken schreiben musste. Ich gab ihm meine Blogadresse und sagte, er soll dann einfach bei den Leserinnen vorbeischauen, die haetten alle ganz tolle Blogs, da erfahre er alles uebers Stricken. BRUELL!! Seine Mutter hatte vielmehr Freude als er. Jetzt echt, was fuer Traeume sind das denn? Ich habe deshalb heute morgen sofort mit den Vorbereitungen fuer die Weste angefangen. Meine Diagnose: Strickentzug!

Dienstag, 4. Mai 2010

Die Strickszene Quitos

Wir waren auf der Suche nach dem angesagten Frühstückslokal Fruteria Montserrate, und wir fanden (für mich) noch Nahrung ganz anderer Art: den Strickladen im Teatro Bolívar (oberes Bild)! Erst wollte ich aus zwei Gründen nicht reingehen: Ich hatte keinen Centavo auf mir und die Auslage schien mir verdächtig polyestrig. Naja, ist sie auch. Das stellte ich fest, als ich (natürlich) trotzdem reinging. Drinnen war dann noch etwas mehr und bessere Auswahl vorzufinden, aber vorallem ein Gewusel von Frauen, die gemeinsam Materialien aussuchten, Modelle anprobierten oder auf einem Stuhl mühe- und liebevoll eine neue Technik ausprobierten. Häklerinnen suchten Rat für die Hüttenfinken in Arbeit, andere warteten auf die Bedienung und arbeiteten dabei an ihren Projekten. Und ständig kamen mehr lachende Frauen zur Tür herein. (Natürlich kann der Andrang auch daran liegen, dass unter den Verkäuferinnen auch ein junger Mann auszumachen ist. Aber das ist jetzt pure Unterstellung, natürlich mit einem Augenzwinkern.) Unter all dem Acryl, Polyester und anderem Lacegarn gabs wie erwartet keine Schaf- oder Lamawolle, aber wenigstens Alpaca. Diesmal für mich in violett, denn ich habe aus Puno Perú noch ein Senfgelb, mal sehen, wie das zusammenaussieht... Auch sonst ist die Szene hier am Kochen: In gewissen Strassen reiht sich ein Wollladen an den anderen - das untere Bild ist ein zufälliger Schnappschuss (habe natürlich gefragt).

Auf meiner Reise habe ich bisher verschiedene Strickwelten angetroffen. In Südchile und -argentinien (Feuerland, Patagonien) war Stricken eine eher kunstfaserige Angelegenheit, das junge Publikum schien nicht sehr zahlreich vertreten, die Projekte machten mir eher einen konservativen Eindruck. Was selbstverständlich weder wertend gemeint noch eine vollständige Beobachtung ist. Die meisten strickten links, also wie man es in den Schweizer Schulen lernt, sogenannt German oder Continental. (Apropos Kontinent: Witzig, dass der nordeuropäische Stil in auch Amerika continental heisst, unser Kontinent ist verglichen mit den Amerikas ja nur eine kleine schwächliche Halbinsel vor Russland, höhö.) Das attraktivste Garn: grobe, handgesponnene Schafwolle, in knalligen Färbungen. Wird pro Gramm verkauft, sehr praktisch.

Die Insel Chiloé vor Puerto Montt, Chile, hat eine eigene Stricktradition. Hier werden Schafwollpullis hergestellt, die an Irland erinnern. Man kann ebenfalls dicke Schafwolle in allen Farben kaufen, dazu gibt es Nadeln so dick wie Besenstiele. Die dünnsten, die ich gefunden habe, habe ich gekauft. Sie passen in meiner Nadelmesskarte nicht durch das grösste Loch, haben also mehr als einen Zentimeter Durchmesser. Ich versuche nun damit einen Baktus mit Blattmuster zu stricken (siehe oben). Die Frauen strickten fast allesamt links, häufig lockermaschige Schals (klar, bei den Nadeln).

In den Anden habe ich auf einer Insel strickende Männer mit eigener Technik gefunden (siehe Eintrag unten) und ansonsten Frauen, die erheblich häufiger rechts stricken (spanisches Erbe?). Man sieht so gut wie nie jemanden an den zahlreichen Alpaca- und Acryl(!)-Pullis arbeiten, die in allen Ländern in den gleichen Designs verschleudert werden. Ich glaube langsam, das Zeug kommt aus einer einzigen Fabrik, die hoffentlich wenigstens in Südamerika steht. Die meisten stricken Mützen, Umhänge, Schals und so weiter. Coolstes Garn: Alpaca natürlich! Aber es wird nicht so oft angeboten. Ich habe gekauft, indem ich strickende Frauen angesprochen haben. Die haben mir dann aus ihrem Stash verkauft, selber haben sie die nötigen Kontakte für Nachschub. Wo kommt nur all die Wolle hin? (In die besagte Fabrik wahrscheinlich, und in den Export.) Viel Material, besonders die leuchtenden Farben, wurden mit Acrylgarnen ersetzt. Und Lamawolle, obwohl bei weitem nicht von schlechter Qualität, wird so gut wie nie verkauft. Anbei noch ein Beispiel einer Technik, di man im Hochland Chiles, Boliviens und Perús öfters findet: Ein unifarbiges Projekt wird mit Bommeln in Farbe aufgemotzt. Das werde ich demnächst ausprobieren - aber wohl mal nur mit ein, zwei Kontrastfarben...

Somit wird auch Ecuador verschiedene Szenen haben: Die fröhlichen Quiteñas, die mehr als Hobby stricken, treffen sich im Teatro Bolívar und suchen trendige Muster, in den Hügeln und Bergen gelten wohl die üblichen Andentraditionen, und an der warmen Küste wird vermutlich weniger gestrickt, könnte ich mir vorstellen.

Demnächst in diesem Theater: Details zum Inkastyle-Weben.

Montag, 3. Mai 2010

Weben Inka-Style


Hier in Cusco (oder Cuzco, oder, auf Quechua, Qosqo) bieten zahlreiche Frauen ihre wunderschönen Gürtel an. Je nach Arbeitsaufwand kosten diese Webstücke 10 bis 40 Soles, also rund 4 bis 16 Franken. Die Arbeitszeit beträgt zwischen einem Tag und einem Monat, soviel man mir erklärt hat. Einige sind sehr vielfarbig, andere haben komplizierte Muster, wieder andere sind uni gewoben und mit grossen bunten Blumen bestickt, zum Teil mit Perlen. Ich gebe es zu: Als ich bei der ersten Frau am Verhandeln war, konnte ich mir nicht so recht vorstellen, dass sie den ganzen Berg Gürtel selber angefertigt hatte. Sie zeigte mir aber sofort, wie man das macht. Und als ich mich sehr interessiert zeigte, meinte sie, ich solle am nächsten Tag herkommen, sie könne mir zeigen, wie das geht. Das kann man sich ja nicht entgehen lassen! Also trafen wir uns mehr oder weniger zum vereinbarten Zeitpunkt (wir sind ja noch immer in Perú, also kann 11 Uhr auch mal 12 heissen), und Juana entpuppte sich als äusserst geduldige Lehrerin. Was soll ich sagen: Das ist richtig anstrengend, und für ein Stück zu 10 Soles, an dem eine geübte Weberin vielleicht einen Tag arbeitet, ist nicht überbezahlt. Die Sache ist nämlich unter anderem die: Das Webprojekt wird mit einem Band oder einer Schnur um den Bauch befestigt, und da man immer schön Spannung geben muss, drückt das nach etwa zwei Stunden ganz schön auf den Rücken. Dann bückt man sich ständig über die Arbeit, man kann sie ja nicht beliebig anheben. Und wie bei allen Tätigkeiten, die am Boden verübt werden, ist die Position für uns Sesselhocker recht gewöhnungsbedürftig. So war ich recht froh, dass ich beim Handeln nicht zu billig reingegangen bin. Die Frauen verkaufen ihre Textilien übrigens auch nicht einfach zu jedem Preis. Und Recht haben sie!
 Beim Ueben habe ich dann schon ziemlich abgelost. Juanas Mutter Placida hat mir dann noch eine Nachhilfelektion erteilt. Darueber mehr, wenn ich wieder fitter bin... Habe eine Hoellenreise hinter mir, unser Flieger konnte in Quito nicht landen und musste nach Kolumbien ausweichen, wo wir eigentlich nicht eben hinwollten. (Aber jetzt sind wir in Ecuador angekommen.)

Donnerstag, 29. April 2010

Strickende Männer


Der Titicacasee gehört zu den höchstgelegenen Gewässern der Welt. Auf 3800 Metern gelegen ist der See Zentrum der Inkakultur, aber auch andere Völker, besonders die Aymara, sind hier zuhause. Wir besuchten sowohl von Bolivien als auch von Peru aus zwei Inseln. Auf der bolivianischen Seite liegt die Sonneninsel, wo die Sonne und auch der erste Inka, Sohn der Sonne, geboren worden sein sollen. Von Puno, Peru, aus fuhren wir zur Insel Taquile. Auf dieser Insel ist textiltechnisch eine Besonderheit tief in der Kultur der Quechua sprechenden Bevölkerung verankert: Hier stricken die Männer! Sie stellen wunderbare Mützen ("Chulos" oder "Chullos") her, und sie tun dies mittels einer interessanten Technik, die ich mir zurzeit selber beibringe. Im Prinzip handelt es sich um übliches Stranded Knitting oder Fair Isle Knitting. Aber: Die Herren stricken die farbenfrohen Muster (freiwillig!) links. Doppelt verkehrt Welt! Männer, die links Stranded Knitting betreiben :) Sie stecken sich je ein Wollknäuel in je eine Hosentasche. Dann führen sie das Garn über Rücken und Schulter nach vorn. Damit erhält es auch ohne Zutun der Hände eine natürliche Spannung. Nun stricken sie Masche um Masche ab, mal mit dieser Farbe, mal mit jener, wie es halt das Muster verlangt. Dabei verwenden sie äusserst dünne Metallnadeln, ich hätte gesagt, eine europäisch 1,5 oder so. Diese haben vorne kleine Haken. Die Wolle (oder, immer öfter, das Acrylgarn) wird mit dem linken Daumen abgestrickt, ähnlich wie beim rechtshändigen Stricken. Das Garn seinerseits wird von den Frauen ganz eng verzwirnt. Die vielen Spinnerinnen, die man antrifft, haben meist keine Rohwolle auf der Spindel, sondern bereits gesponnene, die zu einem ganz engen Garn weiterverarbeitet wird.
Der Vorteil des linksseitigen Stranded Knitting ist, dass die Fäden sich so fast von selber auf eine schlaue Länge dehnen. Ein ähnliches System benützt eine Interweave-Userin. Oder war es Lions Brand Yarn? In einem der (vielen) Strick-Newsletter, die ich abonniert habe, werden regelmässig Leserinnentipps ausgetauscht. Diese Strickerin erklärte, immer, wenn sie beim Rundstricken zum Teil mit Stranded Knitting komme, stülpe sie das Projekt herum, und arbeite so weiter.

Ich arbeite zur Zeit an einem Paar simpler Pulswärmer, und ich habe alle drei Varianten ausprobiert. Die erste, übliche Variante (rundstricken und hoffen, die Fäden seien weder zu lang noch zu kurz) kam ganz ok raus, aber doch eher eng. Die mit dem Umstülpen war zwar etwas gewöhungsbedürftig, könnte sich aber auch für mich als gute Lösung entpuppen: Die Spannung war viel gleichmässiger und das Strickstück ist etwas weiter dehnbar an dieser Stelle. Allerdings finde ich, diese Variante eignet sich nur, wenn man das Muster nicht zu nahe am Rand anbringen will. Sonst ists etwas schwierig mit Umstülpen, so ein Schlauch dreht sich nach nur ein paar Runden immer wieder in die "normale" Position, zumindest in meinem Fall. Den zweiten Pulswärmer versuche ich nun im Estilo Taquile. Zwar ist es anfangs recht eigenartig, nur mit dem Daumen die gespannten Fäden durch die Maschen zu "werfen", aber bis jetzt wirkt das Muster ausgeglichen. Resultate folgen wie immer in Wort und Bild. Ausserdem werde ich dann noch meinen Ausflug ins Reich der Weberinnen beschreiben: Eine Quechua-Frau brachte mir auf der Strasse in Cusco bei, wie man hier Gürtel webt.

Stricken in Chile, zum letzten

Hiermit liefere ich noch eine Kleinigkeit nach. In Temuco, der Mapuchehochburg Chiles, habe ich ja im Fairtrade-Shop handgesponnenes Garn gekauft (siehe Blogeintrag weiter unten). Natürlich kauft die Durchschnittschilenin ihr Garn nicht dort - das wäre relativ teuer und auch kompliziert, die Fundacion Chol-Chol liegt weit draussen vor den Stadtmauern und hat geöffnet, naja, ich bin geneigt zu sagen: nach Lust, Laune oder Möglichkeiten, wie das hier halt so läuft. Einige Geschäfte haben sich besondere Mühe gemacht, ihr Angebot zu präsentieren. Da man mir nur einen kleinen Fresszettel mit dem Namen des Wollladens mitgegeben hat, muss ich erst nochmals nachschauen, wo dieses Ding hingekommen ist. Dann liefere ich den Namen natürlich nach. Aber: Hätte man es nicht schwer, sich hier zurückzuhalten?!

Donnerstag, 22. April 2010

Textilkunst vor den Conquistadores


Im Norden Chiles liegt die Atacama-Wüste. Sie ist wegen ihres trockenen Klimas (soviel ich weiss nicht nur die höchste, sondern auch die regenärmste Wüste der Welt) ein Paradies für Archäologen. Die Menschen, die schon vor Tausenden von Jahren in diese Gegend zogen, hinterliessen Mumien und Alltagsgegenstände, und sogar Textilien sind erhalten. Vieles ist im Museum von San Pedro de Atacama zu sehen. Anbei einige Gegenstände, die ich für uns fotografiert habe (schlecht, aber immerhin). Darunter ist ein Beutel zur Aufbewahrung psychedelischer Substanzen, die in Ritualen zur Anwendung kamen. Dann ist da noch ein Stück einer Tunika und andere Textilreste. Sie stammen grösstenteils aus der Vor-Inka-Zeit, sind also gut und gerne 1000 Jahre alt. Gestrickt wurde noch nicht, aber gewebt (gewoben?) und geknüpft. Auch die Pflanzenfarben sind erstaunlich leuchtstark geblieben! Leider kann ich in diesem Internetcafé nur sehr wenige Bilder uploaden. Ich versuche es bald wieder. Dann liefere ich mehr Bilder hierzu und erzähle von Alpaca- und Llamabegegnungen sowie von einer Insel in Peru, die ich heute besucht habe, auf der die Frauen spinnen (klar doch) und die Männer leidenschaftlich stricken. Logo, gibt auch Bilder dazu!

Samstag, 3. April 2010

Von Zoepfen und Intarsien


Viele Stunden unterwegs von eienm Ort zum anderen, draussen, am Rumstromern.... Ich bin kaum zum Bloggen gekommen! Zum Stricken aber natürlich schon. Ist auch was fertig geworden, nämlich meine "Ich-will-alles-aber-ich-weiss-doch-auch-nicht-so-genau-was"-Mütze. Ich habe dabei Zopfmuster und Farben kombiniert - zum einen, weil ich mich nicht zwischen den Farben entscheiden konnte, und zum anderen, weil ich eh nicht genügend Wolle gehabt hätte. Und auf die Zoepfe wollte ich auch nicht verzichten... Ihr seht schon, meine Uepuenktchen sind weg, und die Klammerzeichen auch, meine Tastatur hat sich grad verselbstaendigt. Anyway. Die Muetze ist etwas steif und auch ein bisschen kurz, aber ich glaube, man kann sie doch tragen. Sie ist auf dem Postweg nach Hause, zum Rumtragen ist sie mir naemlich zu schwer, und hier werde ich sie eh nicht los.

Nun, ich fand, es sei an der Zeit, mich mal an Intarsien und am Stranded Knitting zu versuchen. Anbei seht ihr meine selbstdesignten Anlaeufe. Leider wurde die Muetze trotz intensiven Berechnens dann zu klein, also musste noch ein weiteres Lama ins Muster, aber ich sage euch eins, sie ist immer noch zu klein. Dabei stretche ich die gestrickten Maschen jedesmal schoen aus, bevor ich die zweite Farbe wiederaufnehme. Aber irgendwie wirds trotzdem zu eng. Tipps irgendwer? Eine Schwierigkeit, an der es eventuell liegen koennte, ist, dass ich bei den Uebergaengen etwas Muehe habe: Ich stricke auf einer Rundstricknadel im System "Magic Loop" bzw. "Wunderschlinge". Tja. Vieleicht ist es besser, dass ich die Technik noch nicht so beherrsche und noch ueben muss, denn sonst kombiniere ich bald Zoepfe, Farben und Intarsien, haha.

Dann habe ich natuerlich auch wiedermal Wolle eingekauft, obwohl ich eigentlich auf einer Garndiaet bin. Aber in der Fundacion CholChol bei Temuco, Chile, konnte ich nícht wiederstehen. Diese Fairtradeorganisation verkauft Produkte von Mapuchehandwerkerinnen. Die Mapuche sind das groesste Eingeborenenvolk in Chile. Hier haben sie eine Moeglichkeit, fuer ihre wunderschoenen Garne, Stricksachen, Stoffe oder Ponchos einen anstaendigen Preis zu erzielen. Was sage ich Garndiaet: Das war einfach nur ein gutes Werk, so schauts aus, hihi. Auf jeden Fall ist jedes Produkt mit dem Namen der Herstellerin gekennzeichnet und in den Faellen der gestrickten und gewobenen Sachen auch mit der Anzahl Stunden versehen, die seine Herstellung brauchte.

Sonntag, 21. März 2010

Komme was? Wolle!

Endlich, endlich. Hier im Sur Chico von Chile, also dem nicht ganz so südlichen Süden, gibt es eine anständige Auswahl an Wolle, Baumwolle und so weiter. Zwar ist auch hier der Acrylanteil und die Masse an Eyelashzeugs überwältigend, aber immerhin. Etwas erstaunt bin ich über die Preise: Worsted Wool kostet pro 100 Gramm gut und gerne 5 Euro, was mir an den hiesigen Einkommen gemessen doch etwas hoch scheint. Zudem: Wenn ich eine fertige, handgestrickte Mütze für weniger kaufen kann als 100 Gramm der Wolle, aus der sie gemacht ist, werde ich etwas stutzig, nicht wahr. Das Problem ist vermutlich, dass die Geschäfte, die ich hier besucht habe, so High-End-Läden für Touristen sind. Will sagen: Wenn ich die Mütze auf einem Markt einem alten Mütterchen abkaufe, hat sie die wohl aus selbstgesponnener Wolle gestrickt, oder das Material für ein Butterbrot beim Nachbarn erstanden. Die Wolle selber aber wird selten feilgeboten, möglicherweise kaufen eben die Touristenläden alles auf. Hmmmm.
Dafür habe ich in Argentinien meinen Ron-Weasly-Harry-Potter-Sockengarn-Zickzack-Schal fertig gestrickt. Ich habe das Muster in "Heisse Nadel: Last-Minute-Geschenke zum Selberstricken" gesehen, und entsprechend abgeändert. Ich bilde mir nun ein, der Schal sieht entfernt wie Missoni aus, hahaha. Immerhin passt er zu den fingerlosen Handschuhen.
Zurzeit stricke ich an einer Mütze, und das Raglanprojekt, das ich erst auf Eis gelegt habe, kann jetzt vielleicht doch realisiert werden, denn ich habe: EINE RUNDSTRICKNADEL!! All jene, die nicht an die Sache mit dem Nadelspiel glaubten: Ihr habt recht. Da hatten ja kaum die Maschen für den Kragen drauf Platz. Also habe ich SOFORT zugeschlagen, als ich endlich einen Strickladen fand (einen ganz unprätentiösen für Einheimische) und da Rundstricknadeln verkauft wurden. Sonst werden halt in den Touristengeschäften zur Wolle meistens so ultradicke Nadeln angeboten. Ich nannte sie immer scherzhaft Besenstiele, bis ich heute tatsächlich Nadeln entdeckt habe, die eine solche Dicke haben. Ehrenwort! Ich weiss nicht, wer mit so was strickt. Persönlich sind mir schon die Nummern 9 oder 10 recht grenzwertig...

Dienstag, 2. März 2010

Bestrickendes Patagonien


Unterdessen habe ich auf meiner Route von Sueden nach Norden El Calafate erreicht und habe im Chaltén-Gebirge etwas (viel) gewandert. Dennoch finde ich natürlich immer Zeit für meine Strickprojekte ;) Anbei ein bisschen etwas davon. Passend zu den fingerlosen  Handschuhen aus der Harry-Potter-Sockenwolle von Opal (Farbe Ron) mache ich mir nun einen Schal im Zickzackmuster (Foto folgt). Das Stirnband, das ich in Chile begonnen habe, ist nun fertig und auf dem Postweg nach Hause. Die unverarbeitete grüne Wolle ebenso, habe aber schon wieder neue Wolle gekauft (klar doch). Habe sogar ein Wolle-Baumwolle-Gemisch gefunden, wohltuende Abwechslung in dieser Acrylhölle ;) Diese Wolle möchte ich in einen Top-Down-Raglanpulli verarbeiten, eine interessante Anleitung habe ich bei Woolworks, hier, gefunden. Mal sehen, obs funktioniert. Etwas problematisch dürfte sein, dass ich nur ein Nadelspiel und keine Rundstricknadel dabeihabe. Mein schönes Set von Knitpro habe ich halt nicht in den Rucksack gepackt, das wäre mir zu heikel. Nicht auszudenken, wenn ich es verlöre!!! Klappts mit dem Pulli nicht, gibts halt ein paar Chullos für die Verwandtschaft, haha.

Freitag, 19. Februar 2010

Stricken in Chile

Kurz bevor wir wieder die Grenze nach Argentinien überqueren - Patagonien erstreckt sich halt über beide Länder - mal wieder ein kurzes Update meiner südamerikanischen Strickaktivitäten. Ich habe in Punta Arenas, der südlichsten Stadt auf dem amerikanischen Kontinent, Wolle gekauft: 100 Gramm pinke Schafwolle (offensichtlich handgesponnen, und das noch recht steinzeitlich) und 100 Gramm giftgrüne. Was mich bisweilen sehr irritiert, ist, dass es hier zwar eine Menge Geschäfte mit Garn im Angebot gibt, dieses aber in den allermeisten Fällen fast nur aus Acryl besteht. Hier grasen doch so viele Schafe? Was wird bloss mit der Wolle angestellt? Also eins kann ich sagen: Zum Häuserisolieren wird sie nicht verwendet, brrr ;) Tja, Stricken ist also sehr tief in der Volkskultur verwurzelt, und die Touristen kaufen und tragen gerne sehr krude gestrickte Stirnbänder und Mützen, aber in den Läden wird wirklich zumeist Kunstfaser angeboten und leider nicht eben die allerschönste. Doch dazwischen ist immer mal wieder ein Bällchen Schaf- oder Lamawolle zu finden (Alpaca ist hier nicht so die Nummer eins, das gibts mehr so im Norden). Nun habe ich mich also an ein Stirnband mit Doppelzopf gemacht und ein paar Reihen zu meinem irischen Kaffee in Puerto Natales gestrickt. Eine andere Arbeit, von der ich noch kein Bild habe, ist ein Paar Pulswärmer/fingerlose Handschuhe aus der Harry-Potter-Sockenwolle von Opal, Farbe Ron. Der linke ist schon fertig (fehlt noch die i-Cord-Einfassung), den rechten habe ich in Arbeit. Auch da gibts natürlich ein Zopfmuster, mag ich halt gern.

Samstag, 6. Februar 2010

Stricken in Argentinien

Wie versprochen Bilder der Muetze, die ich hier in Argentinien und auf dem Flug hierher gestrickt habe. Der Bobble-Hat kommt aus einer Interweave-Knits fuer Weihnachten, ich glaube, 2007. (Die Haende habe ich uebrigens so dekorativ, weil ich vom Wind ganz rote Haut habe. Sieht aber auch nicht besser aus...) Ich habe statt Cashmere Alpaca verwendet, und zwar duenneres Garn, als vorgesehen war. Entsprechend "lampig" wirkt das Ding jetzt auch, aber, wie soll ich sagen, one of a kind, nicht wahr. Vielleicht tausche ich sie irgendwo mit einem Indigena in den Anden, mal sehen, was es dafuer gibt. Ein Rüebli? Einen Kaffee? Einen Sack Kartoffeln? Hmmm. Irgendwie ist ja Arbeit gegen Arbeit tauschen immer noch das ehrlichste, wenn ichs mir so ueberlegen. Ich meine, mit unseren Waehrungen aus Westeuropa stehen wir in Suedamerika immer verdammt gut da, sogar im relativ teuren Argentinien. Fair ist anders, wenn wir wirklich ganz offen sind. Zurueck zum Stricken: Jetzt bin ich an einem Paar Puls-/Unterarmwaermer aus der Harry-Potter-Wolle von Opal, Farbe Ron. Zeige ich euch natuerlich. Wer uebrigens etwas ueber meine Reise wissen will - etwa Bilder oder so angucken moechte, schaue auf Facebook vorbei, die genaue Adresse gibts ueber meine Email (siehe Profil).